+++ Geflüchtete und Unterstützer_innen aus ganz Deutschland kamen in Brandenburg an der Havel zusammen +++ 200 bei der ersten Gaypride-Parade +++

An dem heutigen Sonntag fand die erste Gaypride-Parade in Brandenburg an der Havel statt. Etwa 200 Menschen zogen mit bunten Transparenten, selbstgebastelten Schildern und Regenbogenfahnen durch die Havelstadt. Die Parade war der Höhepunkt und Abschluss der dreitägigen Refugee-LGBTI-Konferenz, die in dem Räumlichkeiten des Jukufa e.V. in Brandenburg an der Havel stattfand. Insgesamt besuchten etwa 80 Personen die Konferenz, die aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich angereist sind.

„Wir möchten uns bei allen Teilnehmenden, den Referent_innen, allen Helfer_innen und bei dem Jukufa e.V. für diese großartige Begegnung bedanken. Unsere Konferenz hatte das Ziel Geflüchtete und Unterstützer_innen zusammenzubringen. Wir sind zufrieden, dass so viele Menschen unsere Konferenz besucht haben und sich so tatkräftig an den Diskussionen beteiligt haben und glauben, dass unser Ziel erreicht wurde“, erklärt die Sprecherin des Vorbereitungskreises, Emma Silverstein.

Am Freitag begann die Konferenz mit einer Podiumsdiskussion. Auf diesem Podium diskutierten Harald Petzold (queerpolitischer Sprecher der Partei DIE.LINKE im Bundestag), Hans Kalben (Schwulenberatung Berlin, mitbegründer der ersten LGBTI-Asylunterkunft in Berlin) und Ajay (LGBTI-Geflüchteter aus Indien) über die Probleme und Bedürfnisse von LGBTI-Geflüchteten in Deutschland. Mit einem Konzert der Irischen Band „You’re only Massive“ wurde der erste Tag der Konferenz ausgeklungen. Am Sonnabend fanden verschiedene Workshops statt, die von den Teilnehmenden der Konferenz besucht wurden. Zusammen tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen in Vorbereitung auf das großen Interview bei der BAMF, diskutierten Fragen der Perspektiven nach dem Interview mit dem Migrationsrat Potsdam und besprachen zusammen mit dem Verein „Gladt e.V.“ die Möglichkeiten des Aufbaus eines gemeinsamen Netzwerks. Zudem wurde eine Beratung zur gesundheitlichen Vorsorge der „AIDS-Hilfe Potsdam e.V.“ und ein Selbstverteidigungsworkshop des Vereins „Tigertabs“ angeboten. Den Abschluss der Konferenz bildete die Gay-Pride.

„Die Konferenz hat uns gezeigt, dass es einen großen Bedarf gibt auf die Schicksale von LGBTI-Geflüchteten aufmerksam zu machen. Wir werden auch weiterhin eine Öffentlichkeit für die gesonderte Situation vom LGBTI-Geflüchteten herstellen. Die Diskussionen des Wochenendes zeigten uns aber, dass es noch viel zu tun gibt“, fügt Emma Silverstein hinzu. „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen, die Aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder sexueller Identität aus ihren Heimatländern fliehen, in Deutschland in Sicherheit leben können“, erklärt Emma Silverstein.

Es zeigte sich, dass es vor allem die Verschärfung des Asylrechts und die Unterbringung in Massenunterkünften sind, die den Geflüchteten aller Couleur keinen Schutz bieten. Die Forderung nach einer dezentralen Unterbringung aller Geflüchteten wurde auf der Konferenz laut: „In der angespannten politischen Situation in der immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen und nach Europa fliehen begrüßen wir die Maßnahmen wie die Errichtungen gesonderter Unterkünfte für besonders Schutzbedürftige wie LGBTIs, Frauen und Kinder“, so Emma Silverstein. „Dies kann jedoch keine dauerhafte Lösung sein. Wir schließen uns daher der Forderung an alle Geflüchtete dezentral zu unterbringen, weil jeder Mensch ein Recht auf Entfaltung, Privatssphäre und Sicherheit haben soll“.